Die Artenvielfalt unserer einheimischen Insekten hat in den letzten Jahren rapide und mit zunehmender Geschwindigkeit abgenommen. Davon sind auch die Wildbienen betroffen.
Mit jeder Art, die verschwindet, geht ein unersetzliches „Zahnrädchen im Uhrwerk der Natur“ verloren. Deshalb hat sich die Europäische Union zum Ziel gesetzt, die Biodiversität zu stärken.
Wildbienen sind hauptsächlich gefährdet durch den Verlust ihrer natürlichen Lebensräume, durch Monokulturen in der Agrarlandschaft und durch Umweltgifte. Besitzer von Gärten und Streuobstwiesen können die Lebensbedingungen für Wildbienen durch entsprechende Biotoppflege und gezielte Schutzmaßnahmen verbessern.
Hierzu sind aber Kenntnisse über die Ansprüche der verschiedenen Wildbienenarten erforderlich. Um Wildbienen richtig helfen zu können, müssen Nisthilfen fachgerecht angefertigt und bereitgestellt werden. Referent ist Gerhard Dittes vom BUND.
Der Kurs besteht aus zwei Teilen die aufeinander aufbauen!
Die beiden Vortragsabende finden am Mittwoch 15. März 2023 und am Mittwoch 22.März 2023 jeweils um 19:30 Uhr im Vortragssaal der VHS Bretten, Melanchthonstraße 3, statt.
Schlagwort: Wildbienen
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VHS-Kurs : Wildbienen im Hausgarten
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Weltbienentag – Unersetzliche Bestäuber benötigen Hilfe
Seit 2018 rufen die Vereinten Nationen am 20. Mai den Weltbienentag aus. Damit soll auf die unersetzliche wirtschaftliche Leistung der Bienen bei der Bestäubung unserer Kulturpflanzen und ihre wichtige Bedeutung im Naturhaushalt hingewiesen werden.
Neben der Honigbiene gibt es in Deutschland über 500 Wildbienenarten, zu denen auch die Hummeln zählen. Etwa die Hälfte von ihnen ist in ihrem Bestand gefährdet, weil sie gleich mehreren Schadfaktoren ausgesetzt sind. So sind in den letzten Jahrzehnten ein Großteil der artenreichen, bunten Blumenwiesen unter Beton und Asphalt verschwunden und einst zusammenhängende Lebensräume durch Straßen zerschnitten worden.„Mit zunehmender Entfernung von Futterquellen und Nistplatz nimmt die Zahl der Nachkommen ab,“ mahnt Matthias Menzel vom BUND. Weniger Wildbienen bedeutet auch, dass weniger Kulturpflanzen bestäubt werden können.
Aus der Landnutzung mit kleinparzellierten Äckern und einer Vielfalt an Kulturpflanzen wurden großflächige Monokulturen mit Mais, Raps, Rüben und Getreide. Diese Wirtschaftsweise fördert Schädlinge, gegen die dann eine Vielzahl verschiedener Pestizide eingesetzt werden. Diese schaden, auch bei fachgerechter Anwendung, den Wildbienen und anderen Insekten gleich mehrfach: Hummeln legen kleinere Nester an und produzieren weniger Königinnen. Die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten nimmt zu. Die Orientierungsfähigkeit wird beeinträchtigt. Männchen und Weibchen können sich am Geruch nicht mehr erkennen.
Der BUND setzt sich schon seit vielen Jahren für den Schutz der Wildbienen ein. Beispielsweise tragen gemeinsame Projekte mit Schulen wie dem Melanchthon-Gymnasium und der Grundschule Diedelsheim, Obst- und Gartenbauvereinen, der Teilnahme am Naturerlebnistag der Stadt Bretten und der Herstellung von geeigneten Nisthilfen zum Schutz dieser unersetzlichen Bestäuber bei. -
Streuobstwiesen sind jetzt „Immaterielles Kulturerbe“
Der BUND in Baden-Württemberg hat den vom Verein Hochstamm-Deutschland eingereichten Antrag auf Anerkennung des Streuobstanbaus als Immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO, erfolgreich unterstützt: Die Kultusminister der Länder haben jetzt bei der Kultusministerkonferenz beschlossen, den Streuobstanbau in das „Bundesweite Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe“ aufzunehmen.
Damit wird auch die besondere Verantwortung, die das Land Baden-Württemberg für die Erhaltung dieser wertvollen Kulturlandschaft trägt, unterstrichen. Hier im Südwesten der Bundesrepublik gibt es noch die größten zusammenhängenden Streuobstwiesen Europas. Deren Biodiversität ist enorm : Bis zu 5000 verschiedene Pflanzen- und Tierarten bilden hier eine charakteristische Lebensgemeinschaft. Rund 3000 Sorten von Apfel-, Birnen-, Zwetschgen-, Kirschen- und Walnussbäumen bieten eine breite kulinarische Auswahl.Blühende Obstbäume bieten zusammen mit einer Fülle verschiedener Wiesenblumen zahlreichen Insektenarten wie Wildbienen und Schmetterlingen ein breit gefächertes Angebot von Blütenstaub und Nektar. Jede Wiesenpflanze sichert die Existenz von etwa einem Dutzend Insektenarten. Das Totholz abgestorbener Bäume sichert die Entwicklung der Holzbiene und vieler Käferarten. Die Nahrungsbeziehungen im Lebensraum Streuobstwiese sind in vielfacher Weise miteinander verknüpft. Streuobstwiesen sind der Garant für das Überleben vieler Tierarten.
Auf den intensiv genutzten Ackerflächen mit großflächigen Monokulturen von Mais, Raps oder Getreide und dem Einsatz giftiger Pestizide gibt es keine Artenvielfalt mehr. Deshalb ist es wichtig, alle Streuobstwiesen ausnahmslos zu erhalten. Denn mit jeder aussterbenden Tierart verliert der Naturhaushalt an Stabilität und der Insektenbestand hat in den letzten Jahren dramatisch abgenommen, wie die kürzlich veröffentlichte Krefelder Studie belegte.
Um auf die Notwendigkeit, die Streuobstwiesen zu erhalten, aufmerksam zu machen, wird der 30. April 2021 vom Verein Hochstamm-Deutschland zum europaweiten Tag der Streuobstwiesen ausgerufen.LINKS:
Krefelder Studie: More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areasVideo des Vereins Hochstamm Deutschland e.V. zum immateriellen Kulturerbe Streuobstwiese
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Wildbienen: Tausend Königinnen warten auf den Frühling
Zwischen Äcker und Wiesen rings um Bretten gibt es sie noch: Erdwege, die nicht betoniert oder asphaltiert sind. Auf diesen können aufmerksame Spaziergänger schon im zeitigen Frühjahr wenige Zentimeter große Häufchen aus feinen Erdkrümeln entdecken. Sie ähneln kleinen Maulwurfshügeln, oder genauer gesagt, einem Vulkanberg mit einem Krater in der Mitte.
Sie sind das Werk von im Boden brütenden Wildbienen, deren Weibchen einen bis zu 15 Zentimeter tiefen Schacht mit ihren Kieferzangen graben. Die abgebissenen Erdkrümel werden dann um den Nesteingang herum als flacher Kegel abgelagert. Am Ende des Schachtes legt das Weibchen bis zu acht Brutzellen an, kleine Kämmerchen, die mit Futter aus Nektar und Blütenstaub gefüllt werden und in die ein Ei gelegt wird. Die daraus schlüpfenden Larven ernähren sich von diesem nahrhaften Proviant, verpuppen sich und verlassen dann als fertig entwickelte Wildbienen das Erdnest.
Von den über 400 Wildbienenarten, die es in Baden-Württemberg gibt, legen etwa 300 ihre Nester im Boden an. So auch die bis zu einem Zentimeter große Pförtner-Schmalbiene mit dem wissenschaftlichen Namen Lasioglossum malachurum, die auch in Bretten und Umgebung heimisch ist. Mehrere Weibchen sind gemeinsam am Nestbau beteiligt. Während eine Biene Futter sammelt, bewacht eine andere wie ein Pförtner den Eingang zum Nest. Wie ein Korken in der Flasche verwehrt diese anderen Bienen, die nicht zum Nest gehören, den Zutritt.Senkrechtstarter
Mit etwas Geduld können Spaziergänger beobachten, wie die Wächterbiene, vergleichbar mit einem Senkrechtstarter, vom Nest wegfliegt, um einer Artgenossin, die vollgetankt ist mit süßem Nektar und schwer beladen mit Pollen den Weg zum Nest freigibt. Die Pförtner-Schmalbiene ist, was ihren Speisezettel betrifft, nicht wählerisch. Durch ihren Blütenbesuch trägt sie zur Samenbildung und damit zur Erhaltung von einem Dutzend Pflanzenfamilien, darunter vielen Wiesenblumen, bei.
Im August entwickelt sich dann die nächste Generation, die aus großen Männchen und Weibchen, den Königinnen, besteht. Nach der Paarung überwintern letztere in ihren Geburtsnestern.
„In Bretten gibt es Nistplätze in denen dann bis zu tausend Königinnen in frostsicherer Tiefe den kalten Winter überstehen“, weiß Matthias Menzel vom BUND. In Zusammenarbeit mit der Flurbereinigungsbehörde konnte der BUND erreichen, dass diese Brutkolonien erhalten werden.
In Deutschland sind alle Wildbienenarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützte Arten. Dieser unmittelbare Schutz ist aber für die Erhaltung der Wildbienen nicht ausreichend, weil ihre natürlichen Lebensräume immer noch neuen Wohngebieten, Gewerbeflächen und Straßen zum Opfer fallen. Außerdem sterben viele Wildbienen durch den Einsatz giftiger Pestizide.Gesetzeslage: Wildbienen sind besonders geschützt und dennoch bedroht
Wildbienen sind vielen Bedrohungen ausgesetzt – und auf Schutz angewiesen -
Brettener mit langen Hörnern
Noch kann man sie auf Streuobstwiesen in der Umgebung von Bretten antreffen: Die Mai-Langhornbienen. Ihren Namen tragen diese Wildbienen zurecht, weil ihre Fühler oft länger als der Körper sind. Die Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens), die Wildbiene des Jahres 2021, ist in der freien Natur und mit bloßem Auge von anderen Langhornbienen kaum zu unterscheiden.
Die Flugzeit kann hier allerdings weiterhelfen. Während die Mai-Langhornbiene bereits im Mai fliegt, hat die Juni-Langhornbiene (Eucera longicornis) ihre Hauptflugzeit im Monat Juni.Die Streuobstwiesen im Kraichgau, auf denen reichlich Zaunwicken oder andere Schmetterlings-blütler blühen, sind der bevorzugte Lebensraum dieser Bienen. Auch an Waldrändern und Hecken kann man sie antreffen.
An wenig bewachsenen Stellen graben die Weibchen Gänge in den Boden und legen dort Brutkammern an, die mit Nektar und Blütenstaub als Futter für die heranwachsenden Larven gefüllt werden. Nach dem Nestbau sterben die Weibchen. Die jungen Bienen schlüpfen erst im nächsten Frühjahr.Der Bestand hat in einigen Bundesländern bereits ein bedrohlich geringes Ausmaß erreicht, obwohl alle Wildbienenarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz aus dem Jahr 2002 besonders geschützt sind. Immer noch verschwinden Tag für Tag ihre Lebensräume unter Beton und Asphalt und aktuelle Planungen verschärfen die Situation. Nur wenn bestehendes Grünland ausnahmslos erhalten bleibt und Schutzmaßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt oberste Priorität eingeräumt wird, werden auch die Mai-Langhornbienen bei uns eine Überlebenschance haben. Darauf weist der BUND Bretten seit Jahren hin.
Gesetzeslage: Wildbienen sind besonders geschützt und dennoch bedroht