Autor: Matzen

  • Geplante Südwestumfahrung von Bretten

    Welche Eigentümer von Streuobstwiesen und Ackerland müssen bezahlen?

    Die geplante Südwestumfahrung Bretten wird zwangsläufig eine Flurbereinigung zur Folge haben. Dabei werden aus Kostengründen möglichst viele Eigentümer in das Verfahren einbezogen.

    Trassenverlauf, Karte von Google Maps
    Bildquelle: Google Maps

    Betroffene Flurstückseigentümer müssen damit rechnen, dass…

    … sie zeitweise enteignet werden

    … ihr Grundstück kassiert und durch ein neues, an anderer Stelle liegendes, getauscht wird

    … das neu zugeteilte Flurstück kleiner ist (Flächenabzug!)

    … sie an den Kosten des Verfahrens beteiligt werden

    Außerdem wird das bestehende Feldwege-Netz durch eine neues ersetzt.
    Gewanne, die von der Zweckflurbereinigung im Zuge der Ortsumfahrung Bretten betroffen sein können: (mehr …)

  • „Salamanderpest“ breitet sich aus

    Feuersalamander
    In Bretten gibt es ihn noch – den Feuersalamander. Dank der jahrzehntelangen Bemühungen des BUND, der für diesen Schwanzlurch zahlreiche Laichgewässer angelegt hat, konnte diese Tierart bei uns überleben. Jetzt ist er durch eine Seuche gefährdet. In Europa breitet sich eine Krankheit, der „Salamanderfresser-Pilz“ aus.
    Er befällt die Haut der Tiere. Der Wasserhaushalt ihres Körpers wird beeinträchtigt und die Abwehr vor Krankheitserregern geschwächt. Die erkrankten Salamander sterben dann innerhalb von zwei Wochen. In Deutschland, einem „Hotspot“ dieser Seuche, ist diese Krankheit bereits an über siebzig Orten aufgetreten. Der Pilz bildet Sporen, die für lange Zeit ansteckend sind. Es besteht die Gefahr, dass bei Berührung der Salamander oder über anhaftende Erde an den Schuhsohlen von Wanderern diese Krankheit unbeabsichtigt weiterverbreitet wird.
    Damit sich die Salamanderpest nicht auch in Baden-Württemberg ausbreitet, hat das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg Amphibienschützer, Naturschutz- und Forstbehörden um Unterstützung bei der Bekämpfung dieser Seuche gebeten.
    Der BUND bittet darum, Salamander nicht anzufassen. Wer tote Salamander findet, der möge dies bitte dem BUND möglichst mit Bild und Fundort melden.

    Links:
    Bundesamt für Naturschutz: [pdf-embedder url="https://cranky-ramanujan.37-218-254-106.plesk.page/wp-content/uploads/securepdfs/Die-Salamanderpest.pdf" title="Die Salamanderpest"]

    Landesamt für Umwelt RP: „Salamanderpest“ – Chytridpilz-Erkrankung bedroht den Feuersalamander und andere einheimische Amphibien

  • Umweltverbände fordern neue Verkehrsplanung

    Ein Stopp des Straßenneubaus und eine Neuausrichtung der Infrastruktur- und Mobilitätsplanung sind überfällig!
    Angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise und der Tatsache dass neue Straßen zu noch mehr Verkehr beitragen, fordern Umweltverbände eine Überprüfung des Bedarfsplan für den Bundesfernstraßenbau.
    Der Bundesverkehrswegeplan und der Fernstraßenbedarfsplan sind mit dem Beschluss des Bundes-verfassungsgerichts vom 24. März 2021 unvereinbar.

    Außerdem widersprechen diese Pläne den inzwischen geltenden Umweltzielen und dem EU-Naturschutzrecht. Bereits in Auftrag gegebene neue Verkehrsprognosen dürfen nicht, wie in der Vergangenheit, eine Fortschreibung des (Wachstums-)Trends der Vergangenheit sein, sondern müssen aktuelle Klima- und Naturschutzziele berücksichtigen. Dies hat auch für Ortsumgehungsplanungen wie die geplante Südwestumfahrung von Bretten zu gelten.

    Link (pdf-Datei): Forderungen der Umweltverbände für einen Neustart der Verkehrsplanung des Bundes

  • Relikt der Urzeit im Brettener Wald

    Ihre Vorfahren, die in der Kreidezeit zusammen mit den Dinosauriern lebten, sahen damals schon so aus wie heute: An dem verlängerten, schräg nach oben gerichteten Brustabschnitt, sitzt der sehr bewegliche Kopf. „Darauf ist der Name Kamelhalsfliege zurückzuführen“, erklärt Matthias Menzel vom BUND.

    Die Saurier sind zwar längst ausgestorben, aber die Kamelhalsfliegen haben die Jahrmillionen fast unverändert als lebende Fossilien überdauert und sind auch in Bretten und Umgebung mit etwas Glück zu entdecken. Diese unverwechselbaren, bis 15 Millimeter großen Tiere gehören nicht zu den Fliegen, sondern bilden eine eigenständige Insektengruppe, die in Mitteleuropa mit etwa einem Dutzend Arten vertreten ist. Obwohl sie gut entwickelte Flügel besitzen können sie schlecht fliegen. Nur unbeholfen flatternd legen sie kurze Strecken zurück.

    Die tagaktiven Kamelhalsfliegen ernähren sich räuberisch von kleinen Insekten, wie zum Beispiel Blattläuse und Borkenkäfer sowie deren Eier und Larven. Auch Artgenossen stehen auf ihrem Speiseplan. Sie selbst fallen ihren Fressfeinden wie Spechten, Spinnen oder anderen Räubern zum Opfer. Kamelhalsfliegen leben bevorzugt in Wäldern und Streuobstwiesen. Allerdings bekommt man sie selten zu sehen, weil sie sich meistens in den Kronen der Bäume und den Rissen der Baumrinde aufhalten. Nach der Paarung legen ihre Weibchen bis zu tausend Eier in Vertiefungen der Baumrinde ab.

    Die ausschlüpfenden Larven sind sehr beweglich. Sie können sogar rückwärts laufen und sich mit einer Ausstülpung des Enddarms an glatter Baumrinde festhalten. Diese flinken Räuber stellen sogar den unter der Baumrinde lebenden Larven von Borkenkäfern nach.
    Kamelhalsfliegen bevorzugen Lebensräume mit großer Artenvielfalt wie Eichenmischwälder oder Streuobstwiesen. Diese Lebensräume gilt es uneingeschränkt zu erhalten. So steht die Schwarzhals-Kamelhalsfliege auf der Roten Liste Deutschlands.

    ​ Die Deutsche Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie e.V. in Müncheberg , die jedes Jahr eine Insektenart, unter anderem wegen ihrer besonderer Wichtigkeit für das Ökosystem vorschlägt, hat die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege ( Venistoraphidia nigricollis ) zum Insekt das Jahres 2022 gewählt.

    Links : Warum wir der Schwarzhalsigen Kamelhalsfliege selten begegnen

    Lebendes Fossil: Die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege

  • Wechselkröte ist Lurch des Jahres 2022

    In Bretten nur selten zu Gast

    Auf der Brettener Gemarkung ist dieser Lurch mit der warzigen Haut, die mit weißen, grünen und rötlichen Flecken überzogen ist, nur noch selten anzutreffen. Es handelt sich um die Wechselkröte (Bufo viridis), die eine Körpergröße von nur etwa sieben Zentimeter erreichen kann. Ihren Namen
    verdankt sie der Fähigkeit, ihre Hautfarbe der Umgebung anzupassen. Gut getarnt ist sie nicht leicht zu entdecken. Aufgeschreckt bewegt sie sich hüpfend fort, was für Frösche, aber nicht für Kröten typisch ist.
    „Sie können bei der Suche nach neuen Laichgewässern Entfernungen von mehreren Kilometern zurücklegen“, weiß Gertraud Steinbach vom BUND Bretten. Zur Fortpflanzung bevorzugen die Wechselkröten kleine Tümpel, aber auch Flachwasserzonen größerer Gewässer.

    In der Zeit von April bis Juni legen die Weibchen bis zu 10 000 Eier in bis zu vier Meter langen Laichschnüren ab. Aus den Eiern schlüpfen Kaulquappen, die sich von Algen ernähren.
    Die jungen Kröten verlassen das Laichgewässer und suchen ihre oft weit entfernten Landlebens-räume wie vegetationsarme Flächen oder trockene Standorte auf.

    Der Bestand der Wechselkröten ist gefährdet, weil ihre Laichgewässer vernichtet und ihre Lebensräume durch Straßen zerschnitten wurden. „Das letzte dauerhafte Vorkommen dieser Lurchart lag – vor sechzig Jahren – auf einem Ziegeleigelände, dort, wo sich heute das Brettener Sportzentrum im Grüner befindet“, erinnert sich Gerhard Dittes vom BUND.

    Die Wechselkröte zählt europaweit zu den besonders geschützten Arten. In Bayern ist sie vom Aussterben bedroht. Wegen ihrer Seltenheit und Gefährdung durch Lebensraumverluste, wurde die Wechselkröte von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde zum Lurch des Jahres 2022 gewählt.

    Links:

    BUND: Wechselkröte Steckbrief

    LUBW: Artensteckbrief