Autor: Matzen

  • Der Lössboden – Boden des Jahres 2021

    Internationaler Tag des Bodens am 5. Dezember

    Während der letzten Eiszeit wirbelte der Westwind Staub aus den Schotterfeldern der Oberrheinischen Tiefebene auf und transportierte ihn in den Kraichgau. Dort setzte sich das feinkörnige Material – der Löss – ab und und bildete bis zu mehrere Meter dicke Schichten.
    Als mit dem Ende der Eiszeit die Temperaturen anstiegen und die Niederschläge zunahmen, setzte die Bodenbildung ein. Diese dauerte Jahrtausende. Das Ergebnis ist die sogenannte Parabraunerde, die im Kraichgau weit verbreitet ist und auch Lössboden genannt wird. Diese Erde ist besonders fruchtbar durch ihren hohen Anteil an Tonmineralien und liefert hohe Erträge.
    Doch der Lössboden ist da gefährdet, wo er nicht bedeckt und durch Pflanzenwurzeln festgehalten ist. Wenn dann Regentropfen bei starken Niederschlägen auf den nackten Boden aufprallen wird dieser aufgerissen und hangabwärts geschwemmt. Über die braun gefärbten Bäche und Flüsse gelangt der fruchtbare Boden ins Meer. Mit jedem heftigen Regen verliert der Kraichgau vor allem auf Mais- und Rübenfeldern unzählige Tonnen seiner wertvollen Ackerkrume.

    Diese Bodenerosion hat unter anderem zur Entstehung von Hohlwegen geführt. Die schmalen Räder der Fuhrwerke haben Fahrspuren in den Boden gedrückt, in denen durch das abfließende Wasser der Weg immer tiefer gelegt wurde. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden so bis zu mehrere Meter tiefe, für den Kraichgau typische Hohlwege.

    Aktuell sind unsere Ackerböden durch Versiegelung bedroht. Täglich verschwinden Getreide- und Kartoffelfelder unter Beton und Asphalt, weil sie Neubaugebieten, Gewerbeflächen und Straßen zum Opfer fallen. Für die Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln sind diese Flächen für immer verloren.

    Geht es nach dem Willen der Kommunen, wird dieses „Bodensterben“ weiter fortgesetzt. „Allein auf der Gemarkung Bretten soll rund ein Quadratkilometer fruchtbarer Lössboden unter Siedlungs-erweiterungsflächen verschwinden. So sieht es die Fortschreibung des Regionalplans Mittlerer Oberrhein für die kommenden Jahre vor“, mahnt Hartmut Weinrebe, Geschäftsführer für den Regionalverband Mittlerer Oberrhein des BUND.

    Um die Wahrnehmung des Bodens in der Öffentlichkeit zu stärken, hat die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) den Lössboden zum Boden des Jahres 2021 gewählt.

    BUND.net: Lössboden – Boden des Jahres 2021

    Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Lössboden – Boden des Jahres 2021

    BUND: Flächenfraß zerstört Vielfalt von Lebensräumen

  • Schutzmaßnahmen für Brettener Nachtschwärmer

    Etwa zwei Drittel der in Deutschland vorkommenden Insekten sind nachtaktiv und viele davon sind gefährdet. Sie werden von Straßenlaternen und Gebäudestrahler mit einem hohen UV-Anteil wie bei Quecksilberdampflampen angezogen. Dadurch verlieren diese Tiere die Orientierung, umkreisen ständig die Lichtquelle und sterben schließlich an Erschöpfung. Kleine Insekten gelangen auch in undichte Lampengehäuse, wo sie verbrennen oder verhungern. Deshalb ersetzen immer mehr Gemeinden ihre alten Leuchtmittel durch moderne, insektenfreundliche LEDs. „Dies spart Energie und senkt die Kosten für die öffentliche Beleuchtung“, betont Matthias Menzel von der Brettener BUND-Ortsgruppe.

    Neuanlage und Modernisierung der Straßenbeleuchtung dienen der nächtlichen Sicherheit der Bürger. Immer mehr Gemeinden handeln nach dem Grundsatz: „So viel Licht wie nötig, so wenig Licht wie möglich!“
    Auch ist nach der Neuregelung des Naturschutzgesetzes die nächtliche Fassadenbeleuchtung öffentlicher Gebäude in der Zeit von März bis November untersagt.
    Trotzdem nimmt die nächtliche Beleuchtung bundesweit jährlich um etwa sechs Prozent zu. Sie ist zur Bedrohung der Artenvielfalt geworden, weil künstliche Lichtquellen wie ein Staubsauger wirken und fliegende Insekten aus benachbarten Ökosystemen entziehen.
    Um die Auswirkungen auf die Umwelt zu erforschen führt das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) jetzt groß angelegte Freilandexperimente an unterschiedlichen Ökosystemtypen durch. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein. Aber bereits jetzt schon setzen sich viele Gemeinden für eine umweltfreundliche Beleuchtung ein.
    So auch die Stadt Bretten mit ihren über 5000 Straßenlaternen. „Seit Jahren stellt die Stadt Bretten die Beleuchtung von Straßen und Gebäuden auf stromsparende und insektenfreundliche Leuchtmittel um“, betont Thorsten Metzger von den Stadtwerken.

    LINKS: „Licht aus!“ an öffentlichen Gebäuden; Insektensterben

  • Einwanderer aus den USA

    Büffelzikaden in Brettener Gärten
    Mit einer Körperlänge von höchstens zehn Millimetern und einer grasgrünen Färbung sind diese Insekten nur schwer zu entdecken. Dafür sind sie, näher betrachtet, unverwechselbar.
    Der Halsschild ist zu einem schmalen, nach hinten gerichteten Fortsatz ausgezogen. Zwei seitliche, dunkel gefärbte Dornen erinnern an die Hörner von Büffeln. Deshalb erhielt dieses Tierchen den treffenden Namen Büffelzikade (Stictocephala bisonia).
    Ihre Heimat ist Nordamerika, von wo dieses Insekt per Schiff vor etwa hundert Jahren nach Europa gelangte. In den letzten fünfzig Jahren hat es sich von Südbaden ausgehend bis nach Norddeutschland ausgebreitet.

    Die Büffelzikaden leben in Wiesen und Hecken, aber auch in Weinbergen und Gärten. Sie ernähren sich von Pflanzensäften. Mit einem dünnen Rüssel stechen sie wie mit einer Hohlnadel Pflanzen an und saugen die nahrhafte Flüssigkeit auf. Als Futterpflanzen dienen den ausgewachsenen Zikaden Rosengewächse, Apfel- und Birnbäume und Weinreben. Die Larven saugen die Säfte von krautigen Pflanzen wie Kleearten oder Chrysanthemen. In Südeuropa treten die Büffelzikaden gelegentlich massenhaft auf und können dann Schäden an Reben und Obstbäumen verursachen.

    Nach der Paarung legen die Weibchen gruppenweise jeweils bis zu einem Dutzend Eier in Rindenvertiefungen, bevorzugt von Rosensträuchern. Zwischen Mai und Juni des nächsten Jahres schlüpfen dann die Larven, die sich in der Krautschicht zu erwachsenen Tieren entwickeln. Diese kann man dann ab Juli bis Oktober antreffen

  • BUND schützt erfolgreich Zauneidechsen

    Jungtiere nehmen gemeinsam letztes Sonnenbad

    Dicht gedrängt nehmen die erst vor wenigen Wochen geschlüpften Zauneidechsen ein Bad in der Sonne. Sie „tanken“ die Wärme, bevor sie sich in ein frostsicheres Versteck zurückziehen, um dort in Winterstarre die kalte Jahreszeit zu überdauern.
    Diese Reptilien pflanzen sich durch Eier fort, die von den Weibchen in der Zeit zwischen Mai und Ende Juli in Sand oder lockeren Boden abgelegt werden. Ein Gelege besteht aus etwa einem Dutzend weichschaliger Eier, die zum Schutz vor dem Austrocknen mit Erde bedeckt werden.

    Abhängig von der Bodentemperatur schlüpfen die fünf Zentimeter großen Jungtiere nach etwa zwei Monaten.

    Nach dem Schlüpfen sind sie einer Vielzahlzahl von Feinden ausgesetzt. Andere Reptilien, Vögel, Marder, Füchse und streunende Katzen stellen ihnen nach. Manchmal gelingt es ihnen, ihren Feinden zu entkommen. Packt ein Feind eine Eidechse am Schwanz, dann kann sie diesen an einer Sollbruchstelle blitzschnell abwerfen und so entkommen. Der fehlende Körperteil wächst dann als Stummel wieder nach.

    Doch die größte Gefahr ist die Zerstörung und Beeinträchtigung ihrer Lebensräume durch die fortschreitende Flächenversiegelung und die Zerschneidung der Landschaft durch immer neue Verkehrswege. Außerdem kann der Schattenwurf hochwüchsiger Energiepflanzen wie Mais, Böschungen und Feldsäume ein Gelände für Eidechsen unbewohnbar machen.
    „Der beste Schutz für Eidechsen ist, ihre Lebensräume zu erhalten und diese vor schädlichen Einflüssen zu schützen“, betont Matthias Menzel vom BUND Bretten. Er betreut und pflegt seit vielen Jahren eine Fläche, auf der die Zauneidechse alle für sie notwendigen Lebensbedingungen vorfindet: Viel Sonne, ein üppiges Nahrungsangebot, lockeres Bodensubstrat für die Eiablage und ein frostsicheres Versteck für die Überwinterung. Nur so konnte hier der Bestand dieses einheimischen Reptils gesichert werden. Dieses Jahr war besonders erfolgreich: Aus zwei Gelegen mit jeweils einem Dutzend Eiern sind alle Jungtiere geschlüpft und ihren Feinden nicht zum Opfer gefallen. Nach einem letzten Bad in der Oktobersonne werden sie sich zur Winterruhe zurückziehen.

    „Wir hoffen, dass alle Tiere den Winter überstehen“ , wünscht sich der BUND-Vorsitzende Gerhard Dittes.

    Weiter Artikel des BUND zu Zauneidechsen:
    300 Millionen Jahre alt
    Gemeinsame Bemühungen zum Schutz der Zauneidechse
    Die Zauneidechse : Reptil des Jahres 2020

  • Grüner Aalkistensee

    Blaualgen haben sich massenhaft vermehrt

    Erstaunt sind Spaziergänger und Radfahrer: Statt Himmelsblau, das sich im Wasser des Aalkistensees spiegelt, sieht man zur Zeit nur eine graugrüne Brühe und an den Ufern breite Algenteppiche. Ursache sind Bakterien, sogenannte Blaualgen, die sich massenhaft vermehrt haben.
    In geringen Konzentrationen sind diese Mikroorganismen ungefährlich. Doch wenn sie sich stark vermehren, dann können die Gifte , die sie produzieren, für Menschen und Tiere gefährlich werden.
    Das Verschlucken von Wasser kann dann böse Folgen wie Hautreizungen, Übelkeit oder Durchfall haben.

    Zum Glück ist der Aalkistensee Naturschutzgebiet, in dem das Baden verboten ist. Hunde, die diese Algenbrühe trinken, sind besonders gefährdet. Über diese Verunreinigung wurden die zuständigen Behörden informiert und haben unverzüglich die notwendigen Schritte veranlasst.

    Blaualgen

    In fast allen Gewässern kommen Blaualgen in geringen Mengen vor. Bei sonnigem Wetter und damit steigenden Wassertemperaturen vermehren sie sich. In Gewässern, die viele Nährstoffe, wie Nitrat und Phosphat enthalten, kommt es zur explosionsartigen Massenvermehrung, der sogenannten „Algenblüte“. Wegen der giftigen Ausscheidungen dieser Bakterien wird das Baden verboten.
    Blaualgen zählen zu den ältesten Lebewesen der Erde. Sie haben vor etwa drei Milliarden Jahren die Photosynthese „erfunden“, das heißt mit Hilfe von Sonnenlicht und Kohlendioxid erzeugen sie Sauerstoff und energiereiche Pflanzensubstanzen wie Traubenzucker.

    Links:
    Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg Blaualgen – Cyanobakterien
    DLRG Höxter Aufklärung Blaualgen (Cyanophyceen)