Schlagwort: Steckbrief

  • Der Maulwurf

    Bild von Dirk (Beeki®) Schumacher auf Pixabay
    In der Unterwelt Brettener Gärten zu Hause

    Wegen seiner unterirdischen Lebensweise bekommt man ihn selten zu sehen, den Maulwurf (Talpa europaea). Sein Name ist auf das alte Worte Molte, das Erde bedeutet, zurückzuführen. Der „Erdwerfer“ häuft in Wiesen und Gärten stattliche Erdhügel auf. Diese Maulwurfshügel sind kuppelförmig und enthalten grobe Erde. Für ein Leben unter der Erde ist dieses Säugetier mit einer Körperlänge von etwa 15 Zentimeter Länge bestens ausgerüstet. Seine Schnauze ähnelt einem Schweinerüssel, mit dem er seine Beutetiere erschnüffelt, und seine Hände sind zu kräftigen Schaufeln entwickelt, mit denen er sein viele Meter langes Gangsystem gräbt. Sein meist schwarzes Fell hat keinen Haarstrich, um das Rückwärtskriechen nicht zu erschweren. Auch besitzt er keine Ohrmuscheln. Diese wären bei der Fortbewegung in der engen Erdröhre hinderlich. Seine Augen sind nur so klein wie Mohnkörner. Da er in völliger Finsternis lebt, wären gut entwickelte Augen völlig nutzlos.
    Mit seinem guten Geruchssinn spürt er in den Erdgängen seine Beutetiere auf, hauptsächlich Regenwürmer, Engerlinge und andere Insektenlarven. Zum Ergreifen der Beutetiere dient ihm sein Insektenfressergebiss. Seine insgesamt 44 winzigen Zähne haben scharfe Kanten und spitze Höcker.
    Der Bau seiner Gänge ist kräftezehrend, deshalb muss er dauernd fressen. Nur wenige Stunden überlebt er ohne Mahlzeit. Die tägliche Futtermenge entspricht seinem halben Körpergewicht.
    Manchen Gartenbesitzern ist es lästig, wenn der Maulwurf auf der gepflegten Rasenfläche seine Erdhügel aufwirft. „Dies macht er aber nur so lange, bis er keine Engerlinge, die die Graswurzeln abfressen, mehr findet. Mit knurrendem Magen zieht der nützliche Helfer dann weiter“, weiß Matthias Menzel vom BUND.

    Früher wurde der Maulwurf , weil man glaubte, dass er schädlich sei, getötet und wegen seines flauschigen Fells sogar von „Maulwurfsfängern“ bejagt. Vor hundert Jahren wurden Maulwurfsfelle zum Pelzen verarbeitet, die sehr beliebt waren. Da Maulwürfe so klein sind, mussten viele Tiere ihr Leben für die Mode lassen. Inzwischen hat man die Nützlichkeit dieses Insektenfressers erkannt.

    „In Deutschland ist der Europäische Maulwurf nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Wer einem Maulwurf vorsätzlich nachstellt oder ihn gar tötet, der muss mit einer empfindlichen Geldstrafe rechnen“, betont Hartmut Weinrebe vom BUND-Regionalverband Mittlerer Oberrhein.

    Die Deutsche Wildtier Stiftung hat den Europäischen Maulwurf (Talpa europaea) zum Tier des Jahres 2020 gewählt.
    BUND-Net: Von Mensch und Maulwurf

  • Die Mauerassel (Oniscus asellus)

    Nützlicher Krebs in Wald und Garten

    Nicht nur in den Wäldern von Bretten und Umgebung, sondern auch unter Steinen, in Komposthaufen und manchen Kellern, überall dort, wo es feucht und dunkel ist, kann man die Mauerassel (Oniscus asellus)finden.

    Der Körper dieser Tiere, der gut 15 Millimeter Länge erreichen kann, ist abgeflacht, bräunlich gefärbt mit hellen Flecken. Das zweite Fühlerpaar ist lang und gut sichtbar. Die Fühlerspitze ist, im Gegensatz zur ähnlichen Kellerassel, dreigliedrig. Dagegen ist das erste Fühlerpaar nur winzig klein und selbst mit einer Lupe nur schwer zu erkennen.

    Asseln sind Krebstiere
    Ihre Vorfahren lebten noch vor Millionen Jahren im Meer. Im Laufe der Evolution haben sie das Wasser verlassen und sind zum Landleben übergegangen.Ihre Atmungsorgane, mit denen der lebensnotwendige Sauerstoff aufgenommen wird, erinnern noch an ihre Vorfahren. Die Mauerassel atmet noch mit Kiemen, die sich an der Körperunterseite, unter dünnen Hautplättchen verborgen, befinden. Auch die Fortpflanzung weist auf die Abstammung von ursprünglich im Meer lebenden Tieren hin: Die Weibchen legen ein paar Dutzend Eier in einen mit Wasser gefüllten Brutbeutel an der Körperunterseite ab. Hier können sich die Eier gut geschützt zu Jungtieren entwickeln.

    Die Mauerasseln ernähren sich hauptsächlich von abgestorbenen Pflanzen und vermoderndem Holz. Auch Insekteneier und Tierkadaver werden nicht verschmäht.
    Sie bevorzugen weiches Futter, das leicht zu zerkauen ist. Deshalb fressen die Mauerasseln von Blättern nur die weichen Bestandteile . Die härteren Blattrippen werden nicht angerührt. Selbst der Kot wird nochmals gefressen und verdaut. Dadurch werden auch die letzten Nährstoffe noch verwertet. Der krümelige Kot enthält viel Humus, wodurch die Fruchtbarkeit des Bodens erhöht wird. Deshalb können sich Gartenbesitzer freuen, wenn diese nützlichen kleinen Helfer im Komposthaufen die Gartenabfälle in fruchtbaren Humus verwandeln.

    Da die Mauerassel auch in Höhlen vorkommt, wurde sie vom Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher zum Höhlentier des Jahres 2020 gewählt.

  • Migrantin aus dem Süden : Die Kräuseljagdspinne

    Sie hat sich in den letzten drei Jahrzehnten von den Mittelmeerländern über die Alpen bis zu uns in den Kraichgau ausgebreitet: Die Kräuseljagdspinne Zoropsis spinimana.
    Jetzt wurde ein Exemplar in einem Garten der Brettener Innenstadt entdeckt. Diese Spinne kann eine Körperlänge von fast zwei Zentimetern erreichen. Ihre ausgestreckten Beine haben eine Spannweite von bis zu fünf Zentimetern. Die Grundfärbung ist sehr variabel, von gelblich über grau bis zu dunkelbraun mit einer dunklen Zeichnung auf der Oberseite.
    An ihren Beinspitzen besitzt sie feine Haarbüschel mit mikroskopisch kleinen Hafthaaren mit bürstenartigen Enden. Damit kann sie mühelos an senkrechten Glaswänden hochklettern.

    Diese Spinne baut kein Fangnetz, obwohl sie Fäden produzieren kann. Diese Kräuselfäden werden zu einer Schutzhülle des Eigeleges, das bis zu hundert Eier enthalten kann, verwoben. Die Weibchen kümmern sich um ihren Nachwuchs. Sie bewachen den Eikokon mit den geschlüpften Jungspinnen.
    Ihre Beute, meistens Insekten, aber auch andere Spinnen, wird im Sprung blitzschnell überwältigt und durch einen Giftbiss getötet. Bei Berührung fühlt sich die Spinne bedroht und kann beißen.
    Ihr Biss ist zwar für Menschen ungefährlich, aber doch schmerzhaft. „Man lässt sie also besser in Ruhe“, empfiehlt Matthias Menzel vom BUND Bretten.

    Link : Naturkundemuseum Karlsruhe: Kräuseljagdspinnen – Neuankömmlinge bei uns

  • Steckbrief: Schmetterlingsmücke

    In Bädern und Toiletten zu Hause
    Dieser Beitrag ist ein Update zu unserem Steckbrief von 2014

    Mit ihren dachförmig auf dem Rücken liegenden Flügeln erinnern die Schmetterlingsmücken
    an kleine Nachtfalter. In Brettener Wohnungen tauchen sie immer wieder auf. Meist sitzen sie im Bad auf den Kacheln Wänden, Tapeten oder Gardinen. Doch wo kommen sie her? Von den Bewohnern unbemerkt legen sie ihre Eier in die Abläufe von Waschbecken oder Abwasserrohren.
    Ihre schlanken Larven ernähren sich dort etwa zwei Wochen lang vom schleimigen Bakterienbelag. Nach der Verpuppung schlüpfen dann die Fliegen. Im vergangenen Sommer hat die Hitze die Entwicklung beschleunigt und zum vermehrten Auftreten der Schmetterlingsmücken geführt.
    In beheizten Gebäuden können sich diese Insekten das ganze Jahr über fortpflanzen. Bei Massenauftreten werden sie lästig, stechen können sie nicht. Da sie auch Krankheitserreger übertragen, müssen sie vor allem in Lebensmittel verarbeitenden Betrieben bekämpft werden. Um diese Lästlinge los zu werden, genügt es , Abläufe von Waschbecken, Badewannen, Duschen und Toiletten regelmässig gründlich zu reinigen.
    Die Mückenart Clogmia albipunctata, die auch als Gully- oder Abortfliege bezeichnet wird, stammt aus Südeuropa und hat sich offensichtlich, bedingt durch den Klimawandel, seit über einem Jahr-zehnt über ganz Europa verbreitet. In Deutschland gibt es etwa hundert verschiedene Arten. (gd)

    LINKS:
    Alternative Bekämpfungsmaßnahmen

    BUND Insektenatlas PDF-Datei

  • In Bretten zu Hause : Die Feldspitzmaus

    „Die Spitzmaus kann mit ihrem kleinen Mäulchen weder die Kühe ins Eiter (Euter) beißen , wie die Sage geht, noch ist sie giftig.“ So steht es in einem Lehrbuch der Naturgeschichte von 1834.
    Tatsächlich hat die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) ein Insektenfressergebiss mit vielen kleinen spitzen Zähnchen und gehört deshalb nicht zu den Nagetieren wie Mäuse und Ratten.
    Ihre Nahrung besteht deshalb hauptsächlich aus Insekten und deren Larven sowie Asseln, Schnecken und Würmer. Da ihr kleiner Körper viel Wärme verliert, muss die Spitzmaus ständig fressen. Bei Nahrungsmangel oder kaltem Wetter kann sie in Kältestarre verfallen, um Energie zu sparen. Dann verringert sich ihr Pulsschlag von tausend auf 60 Herzschläge pro Minute und ihre Körpertemperatur sinkt von 34°C auf 18 °C.
    Dieses kleine nur etwa zehn Gramm schwere Säugetier, das eine Körperlänge von nur bis zu acht Zentimeter erreichen kann, bewohnt vielfältige Lebensräume wie Felder, Wiesen und Gärten von Bretten und Umgebung. Auch in unseren Wäldern, wenn es dort nicht zu feucht ist, kommt sie vor.

    Mit viel Glück kann man manchmal ein für Spitzmäuse seltenes Verhalten beobachten: Die Spitzmaus-Karawanen. Dabei entsteht ein „Gänsemarsch“ bei dem sich, von der Mutter angeführt, jedes Junge am Schwanz des Vordertieres festbeißt.

    „Katzen töten Spitzmäuse, fressen diese aber wegen deren moschusartigen Geruch nicht. Daher kann man in unseren Hausgärten immer wieder tot gebissene Spitzmäuse entdecken“, weiß Matthias Menzel vom BUND Bretten. Obwohl die Feldspitzmaus nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt ist, ist ihr Bestand in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen. Hauptursachen sind der Verlust der Lebensräume und der Einsatz von giftigen Pestiziden.

    Mehr zur Spitzmaus finden Sie beim BUND Hessen