Schlagwort: Insekten

  • Steckbrief: Schmetterlingsmücke

    In Bädern und Toiletten zu Hause
    Dieser Beitrag ist ein Update zu unserem Steckbrief von 2014

    Mit ihren dachförmig auf dem Rücken liegenden Flügeln erinnern die Schmetterlingsmücken
    an kleine Nachtfalter. In Brettener Wohnungen tauchen sie immer wieder auf. Meist sitzen sie im Bad auf den Kacheln Wänden, Tapeten oder Gardinen. Doch wo kommen sie her? Von den Bewohnern unbemerkt legen sie ihre Eier in die Abläufe von Waschbecken oder Abwasserrohren.
    Ihre schlanken Larven ernähren sich dort etwa zwei Wochen lang vom schleimigen Bakterienbelag. Nach der Verpuppung schlüpfen dann die Fliegen. Im vergangenen Sommer hat die Hitze die Entwicklung beschleunigt und zum vermehrten Auftreten der Schmetterlingsmücken geführt.
    In beheizten Gebäuden können sich diese Insekten das ganze Jahr über fortpflanzen. Bei Massenauftreten werden sie lästig, stechen können sie nicht. Da sie auch Krankheitserreger übertragen, müssen sie vor allem in Lebensmittel verarbeitenden Betrieben bekämpft werden. Um diese Lästlinge los zu werden, genügt es , Abläufe von Waschbecken, Badewannen, Duschen und Toiletten regelmässig gründlich zu reinigen.
    Die Mückenart Clogmia albipunctata, die auch als Gully- oder Abortfliege bezeichnet wird, stammt aus Südeuropa und hat sich offensichtlich, bedingt durch den Klimawandel, seit über einem Jahr-zehnt über ganz Europa verbreitet. In Deutschland gibt es etwa hundert verschiedene Arten. (gd)

    LINKS:
    Alternative Bekämpfungsmaßnahmen

    BUND Insektenatlas PDF-Datei

  • Schutz einheimischer Bestäuber:

    Kurze Wege retten Wildbienen

    Weltweit sind neben den Honigbienen die vielen Arten von Wildbienen unverzichtbare Bestäuber, die uns reiche Obst- und Gemüseernten garantieren. Um den Bestand dieser nützlichen Insekten zu sichern, genügt es nicht, deren Brutplätze und Futterpflanzen zu erhalten. Ganz entscheidend ist die Entfernung, die sie zwischen ihrem Nest und den Blüten zurücklegen müssen, die ihnen Nektar und Pollen liefern. Je kürzer die Entfernung, desto höher die Zahl der Nachkommen. Bei großer Entfernung nimmt die Zahl der angelegten Brutzellen ab, und zusätzlich fallen mehr Bienen Brutparasiten und Nesträubern zum Opfer.
    Doch wie weit fliegen Wildbienen bei der Suche nach Nektar und Pollen? Bei Markierungs-experimenten im Botanischen Garten München hat man das jetzt herausgefunden.

    „Die Sammelflugdistanzen der untersuchten Bienenarten lagen zwischen 73 und 121 Meter – die kleineren Bienenarten flogen dabei wie erwartet weniger weit, als die größeren“, so Prof. Susanne Renner von der Ludwig-Maximilian-Universität München. Die Nistplätze der Wildbienen liegen oft nicht in direkter Nachbarschaft zu ihren Futterpflanzen, die am besten auf artenreichen Blumenwiesen wachsen.
    „Im Gegensatz zu neu angelegten Blühstreifen weisen die seit Generationen bestehenden Lebensräume wie Streuobstwiesen, Hecken und sonnenexponierte Südhänge eine höhere Artenvielfalt auf. Diese bieten dauerhaft Nahrung und Brutplätze, während Blühstreifen nach wenigen Jahren umgepflügt und wieder intensiv genutzt werden,“ stellt Gerhard Dittes, der Vorsitzende des BUND Bretten, fest. „Unsere heimischen Wildbienenarten können nur erhalten werden, wenn ihre Neststandorte nicht zerstört werden und sich genügend große, geeignete Futterflächen in idealerweise nicht mehr als ca. 150 m Entfernung vom Brutplatz befinden,“ ergänzt Matthias Menzel von der Ortsgruppe.

    Artikel auf Bienennachrichten: Flugdistanzen von Wildbienen auf Nahrungssuche
    Link zur Originalpublikation

  • Der Lavendel – Arzneipflanze 2020

    In immer mehr Brettener Gärten und öffentlichen Grünanlagen wird er angepflanzt: Der Lavendel.
    Er liebt die heißen und trockenen Sommer der Mittelmeerländer. Doch der Klimawandel hat es ihm ermöglicht, sich nördlich der Alpen auszubreiten. Seine meist blauen oder lila Blüten sind Futterquelle für zahlreiche Insektenarten wie Honigbienen, Hummeln und andere Wildbienen, z.B. die Gartenwollbiene und Furchenbienen. Auch Schmetterlinge wie Weißlinge oder gar das Taubenschwänzchen, das mit raschen Flügelschlägen wie ein Kolibri im Rüttelflug vor den Blüten schwebt, naschen an den Blüten des Lavendels. Kein Wunder, hat doch sein Nektar einen außergewöhnlich hohen Zuckergehalt. Deshalb ist er auch bei den Imkern als Bienenweide sehr geschätzt. Inzwischen haben immer mehr Brettener Gartenbesitzer seinen Nutzen für unsere heimischen Insekten erkannt und machen aus trostlosen, steinigen Schottergärten blau leuchtende Bienenweiden.

    Im Süden Frankreichs, in der Provence hat Lavendel eine wirtschaftliche Bedeutung. Blau blühende Felder locken Touristen an, und aus der Pflanze wird ein Öl gewonnen, das für Seifen und Parfüms verwendet wird. Leider ist die Anbaufläche stark zurückgegangen. Ursache ist ein schwer zu bekämpfender Krankheitserreger, der von einer Zikade übertragen wird und den Lavendel vertrocknen lässt.

    Nicht nur in der Küche als „Herbes de Provence“ wird das Kraut verwendet, ebenso wie in der Medizin. Deshalb wählte ihn der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde, dem neben verschiedenen Universitäten auch das Deutsche Apothekenmuseum in Heidelberg angehören, zur Arzneipflanze des Jahres 2020

  • Insekt des Jahres 2020: Der Schwarzblaue Ölkäfer

    Auch in diesem Frühjahr fällt er aufmerksamen Spaziergängern, die in Bretten und Umgebung unterwegs sind, immer wieder auf : Der Schwarzblaue Ölkäfer, im Volksmund auch „Maiwurm“ genannt. Dieses schwarzblau glänzende Insekt kann eine Körpergröße von etwa drei Zentimetern erreichen.
    Der Kopf dieses plumpen, flugunfähigen Käfers ist auffällig klein und der Hinterleib der Weibchen aufgedunsen. Diese können einige tausend Eier auf den Boden ablegen. Daraus schlüpfen winzige Larven, die auf Blüten klettern. Dort warten sie auf Wildbienen, klammern sich an deren Beinen fest und lassen sich so in deren Nest transportieren.

    Bereits seit dem Altertum wurden aus Ölkäfern Ölkäferpflaster hergestellt. Auch gegen die Tollwut, so glaubte man jedenfalls früher, sollen Ölkäfer geholfen haben: „Sonst hat man den Maiwurm innerlich, sogar gegen den tollen Hundsbiß, gegeben“ berichtet ein Lehrbuch der Naturgeschichte von 1834.
    Durch Lebensraumverlust, verursacht durch die fortgesetzte Erschließung von Wohn- und Gewerbegebieten, und den Straßenverkehr nehmen die Bestände des Ölkäfers ab. Deshalb ist der Schwarzblaue Ölkäfer in Deutschland in der Roten Liste als gefährdet eingestuft.

    „Mit etwas Glück kann man diese Käferlarven in den Wäldern von Bretten auf den Blüten der Buschwindröschen entdecken“, weiß Hans-Georg Leonhardt vom BUND Bretten. Die Winzlinge fressen die Larven der Bienen und deren Futter aus Pollen und Nektar. Nach der Verpuppung schlüpfen die fertig entwickelten Ölkäfer im nächsten Frühjahr.
    Gegen Feinde sondern die Käfer aus ihren Kniegelenken Tropfen ab, die ein Gift, das Cantharidin, enthalten. Es verursacht bei Berührung Blasen auf der Haut. Also Finger weg vom Ölkäfer!

    Wegen seiner besonderen Bedeutung hat das Deutsche Entomologische Institut der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung zusammen mit dem Bundesamt für Naturschutz diese Käferart zum „Insekt des Jahres 2020“ ausgezeichnet.

    Links: DER VIOLETTE ÖLKÄFER (MELOE VIOLACEUS);
    Liebestränke, Giftmorde und Wehenpflaster: Schwarzblauer Ölkäfer ist Insekt des Jahres 2020

  • Engagement des BUND gewürdigt

    Die Mühe hat sich gelohnt: Durch die vielen blühenden Pflanzen ist der Tisch für Wildbienen und andere Insekten reich gedeckt
    Vielfältige Aktivitäten im vergangenen Jahr

    Für seine unermüdliche und richtungsweisende Arbeit zur Erhaltung der Artenvielfalt wurde der Bund für Umwelt- und Naturschutzschutz Deutschland (BUND) Bretten von NaturLife und EDEKA im vergangenen Jahr ausgezeichnet. Kein Wunder, zeigte doch der Rückblick bei der Jahreshauptversammlung der BUND Ortsgruppe Bretten, dass auch das Jahr 2019 wieder arbeitsreich und durch vielfältige Aktivitäten geprägt war.

    Schwerpunkte waren wie auch in den vergangenen Jahren der Schutz der Amphibien und Wildbienen. So wurden an der Kreisstraße zwischen Bauerbach und Büchig wieder Fangzäune zum Schutz der Amphibien betreut, eine sehr zeitaufwändige Arbeit bei oft nasskaltem Wetter. Der extrem trockene Sommer im vergangenen Jahr war für die Amphibien besonders schwer: Laichgewässer trockneten aus und es gab weniger Beutetiere, wie Würmer oder Schnecken. Vor allem Erdkröten gingen deshalb abgemagert in die Winterruhe. „Um den Bestand der Lurche dauerhaft zu sichern, sind an dieser Kreisstraße Amphibienleiteinrichtungen mit Tunneln unbedingt erforderlich“, betonte Gertraud Steinbach, die über die aktuelle Situation und Planungen berichtete.

    Auf großes Interesse in der Bevölkerung stießen die Vorträge „Bretten im Klimawandel“ sowie „Nützlinge in Haus und Garten“, die in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Bretten durchgeführt wurden.

    Ein weiterer Schwerpunkt des BUND Bretten waren auch im Jahr 2019 Maßnahmen zum Schutz der Wildbienen. So wurde das seit Jahren bestehende Gemeinschaftsprojekt von BUND und dem Melanchthon-Gymnasium Bretten mit der Gestaltung eines wildbienen- und insektenfreundlichen Lebensraumes fortgesetzt. In diesem Biotop haben sich im vergangenen Jahr bereits zahlreiche Insekten wie Frühlings-Seidenbienen, Garten-Wollbienen, Furchenbienen, wärmeliebende Käfer, Spinnen und Zikaden angesiedelt.(siehe Bild!)